Eine nette Homepage zu bauen reicht schon lange nicht mehr

Auch wenn viele Kunden nicht wirklich mehr erwarten, sollten sie das volle Chamäleon-Programm erhalten.

Mit welchen Leuten es ein williger Webdesign-Auftraggeber unter Umständen zu tun bekommt.
Kunde trifft...das Dreigestirn der WWW-Akteure:

Der Nerd
Die Vorstellung des blutarmen und hornbebrillten Computer-Nerds, der mit Sack und Pack in die digitale Welt umgezogen ist, erfüllt uns doch alle etwas mit gespenstischem Schaudern. Statt zu sprechen tippt er lieber. Seine defensive Haltung anderen "neuen" Menschen gegenüber ist die logische Grundlage seiner einsilbigen und zumeist unverständlichen Antworten. Wenn man es nicht sicher wüsste, könnte man ihn beim Anblick seines Gesichts, welches den blassen Gipfel eines in gewagt grau-braun gekleideten Körpers bilden, für einen menschenähnlichen Androiden halten. Auf ein proaktives Meeting mit diesem Wesen freut sich doch jeder Kunde ;-)

Der Hyper
Das andere Extrem ist der wortreiche und stets gut gelaunte Vertriebstyp. Er entpuppt sich schon beim ersten persönlichen Kunden-Treffen vor Ort als spontaner Edel-Fan des möglichen Auftraggebers. Durch den gut geschulten Kundenlob-Einstiegssatz, "Sie haben es aber schön hier!", beginnt das Überrollkommando. Während eines knappen Liters Kaffee und dem von ihm beharrlich verfolgten, aber ungewollten "Du", wird der Zuhörer schier ins Koma gelabert. 

Der Versteher
Und der Dritte im Bunde der Web-Affen ist der Empath. Dieser erkennt auch den spirituellen Hintergrund des Kunden-Unternehmens und bestätigt seinem Gegenüber durch gleichbleibend rhythmisches Kopfnicken sein absolutes Verständnis. Seine fast esoterische Aura umgibt die Wirkung unsichtbarer Räucherstäbchen. Für ihn bedeutet das "WWW" die globale Vernetzung zum Wohle und Einklang der kompletten Menschheit. Gerne bleibt er eine Stunde länger, um seinem "Gastgeber" auch in privaten Fragen hilfreich zur Seite zu stehen. 

Ok, Ok..Genug jetzt! Sorry.
Soweit mal die Hollywood-Vorstellung von Extrem-Charaktere. Vielleicht sind es auch nur meine persönlichen Alpträume, die einfach gerade stärker waren als ich ;-) Am Rande erwähnt sei, dass es eigentlich brutal ist, wie stark sich solche Bilder in unseren Einschätzungen festbrennen. Ja, ich weiß, ich habe meine Darstellung durchaus übertrieben. Dennoch, interessant hierbei ist, dass wohl alle drei Typen mehr mit sich als mit dem Kunden zu tun haben. Auch in stark abgemilderter Form.

Nur noch anstandshalber kurz ein Abschweifer: Webagentur intern gesehen gibt es weitere spezial Spezialisten wie:
Der Programmierer, der eigentlich lieber Archäologe werden wollte. Er frönt dem Urtrieb ständig neue Code-Schnipsel und Scripte entdecken zu müssen, welche er zu tausenden in einem undurchsichtigen Ordnungschaos hortet. Oder dem Grafikdesigner, welcher eigentlich alle ein bisschen doof findet und in seiner künstlerischen Manier Webseiten-Layouts erstellt, ohne den Programmierer vorher auf Machbarkeit zu konsultieren. Suboptimal, da der Kunde den Entwurf schon gesehen und begeistert genehmigt hat. Oder auch der therapiereife SEO-Spezialist, der sich so viel Mühe für eine ordentliche Suchmaschinenplatzierung gibt und doch nur von allen als unterstes Glied in der Agentur-Nahrungskette belächelt wird. Aber das ist eine andere Geschichte... ;-)

Also - was brauchen wir? Der Volksmund sagt: Die Mischung machts!

OK! Wir präsentieren die langerwartete Eierlegende-Wollmilchsau: Webus Empathicus Machnerdis

Schluß jetzt mit den Spinnereien eines schreibwütigen Webdesigners... Worum gehts hier wirklich?!

Der Kunde als Partner

Hahaha... Entschuldigung, aber ich muss an dieser Stelle wirklich schmunzeln. Haben wir das nicht alle irgendwie und irgendwo in unserem Portfolio stehen?

Klingt nach echtem Blablabla... Das schreibt wirklich fast jeder. Die Idee dahinter ist ja perfekt und eine tolle Basic, aber wie sieht denn eine funktionierende Partnerschaft aus?

Unaufgeregte Augenhöhe, echtes Interesse an der Materie des Kunden und die Leidenschaft, sich in das Business des Auftraggebers voll hineinzuspulen und einzubringen. Fakt ist, dass man mindestens für den Zeitraum des Auftrags als Webagentur-Team ein Teil des Unternehmens wird, für das man den Webauftritt an den Start bringen möchte. Das bringt Herausforderungen, Verpflichtungen und neue Erfahrungen mit sich.

Für eine langfristige Kooperation mit einem Kunden, ist der Aufbau von Vertrauen entscheidend und auch richtig. Durch Leistung, Zuverlässigkeit, Absprachesicherheit und einen partnerschaftlichen Umgang. Schließlich wurde man zum Teamplay vom Auftraggeber auserwählt, um sich gemeinsam in den Dienst einer Sache zu stellen. Natürlich gegen Bares, aber gerade weil das Angebot der Mitbewerber groß ist, ist es eine feine Auszeichnung und Grund genug im Sinne des Kundenziels Vollgas zu geben.    

Eine gute Erkenntnis hierbei ist: Wir lieben was wir tun - genau wie unsere Kunden!

Woher soll ich wissen, welche Webseite wir für einen Kunden bauen soll, wenn ich gar nicht weiß, wie sein Business funktioniert? Da reicht es einfach nicht Mitbewerber-Recherche ähnlich gelagerter Anbieter zu machen. Diese ist zwar wichtig für z.B. Platzierungen in Suchmaschinen und generelle Brancheninfos, aber über das Unternehmen des Kunden sagt das gar nichts aus.

Jeder unserer Auftraggeber ist Spezialist in dem was er macht!

Also ist ER der wichtigste Informations- und Gesprächspartner. Ein sinnvoller Einstieg in diese Verbindung ist, sich ein Bild vor Ort zu machen und in mehreren Dialogen aufmerksam den Kern der Unternehmung zu kanalisieren. Eine fundierte Recherche kombiniert mehrere Perspektiven auf die Firma: Den Blick von außen als Kunde, den Blick von innen auf das Zielpublikum und den Blick auf das, was vorhanden, aber in der Außendarstellung verborgen ist. Gemeint ist die Suche nach dem Detail, dem Alleinstellungsmerkmal, dem Extra des Unternehmens. Verblüffend viele Dinge und Leistungen, die der Kunde anbietet, sind für diesen selbstverständlich und deshalb aus seiner Sicht eigentlich gar nicht erwähnenswert. Doch genau das Gegenteil ist hier der Fall. Es ist wie bei Menschen, Details machen den Unterschied!

Nichts ist im Wettbewerb schwerer, als sich selbst zu vermarkten und zu präsentieren.

Gerade in Deutschland ist das ein anerzogener Graus, sich selbst ins beste Licht zu rücken. Da sind manche Business-Freunde aus USA schon ganz anders unterwegs. Man denke nur an diverse Autohändler, welche mit Siegelring, schriller Kleidung und dem Blendamed-Lächeln ausgestattet, sogar mit Riesenplakaten und TV-Spots die "Ich-Bin-Der-Beste-"Werbung machen. Schmerzfrei nach dem Motto: Wer bremst verliert! Das hat zwar einen Mega-Unterhaltungswert, aber gerade für uns Europäer vermittelt das auch die Befürchtung, hier offensichtlich geblendet zu werden.

Ja, wir Europäer stehen da eher auf vornehme Zurückhaltung. Wobei... mal ganz ehrlich. Es geht doch darum, sich und seine Leistung oder seine Produkte anzubieten. Klar kann man es übertreiben, aber wenn man etwas wirklich gut kann, dann sollte man, ja MUSS man das doch sagen dürfen. Wer würde ein nagelneues Auto kaufen, von dem der Hersteller schon sagt, "Na ja, das Auto ist ganz ok" ;-)

Nein, Sorry, so ein bisserl Anfüttern gehört einfach dazu und macht auch Spaß. Ob ein Versprechen dann vorraussichtlich gehalten wird, muss man immer selbst abschätzen und auch testen! Im Falle einer neuen Homepage heißt das: Kennenlernen, Referenzen checken, Ideen austauschen...und nicht mehr versprechen, als man halten kann.

Im Webdesign ist die Kür auch Pflicht

Eine saubere Programmierung, ein klasse Layout, ein logisches Navigationsprinzip, eine seriöse Aufbereitung für Suchmaschinen, das alles ist wohl eine Selbstverständlichkeit, die man unausgesprochen voraussetzen dürfte. Interessant wird es bei weiterer Betrachtung in Sachen Außenwirkung und Präsentation der Kundenwebseite. Farben, Bilder, die Art der Texte, wie auch die komplette Marktrecherche und das bereits angeführte Alleinstellungsmerkmal, führen unweigerlich zu einer Feststellung:
Eine Webagentur fungiert auch als persönlicher PR-Berater! Und das von Anfang an.

Obwohl das sicher eine Kür in der Dienstleistung ist, gehört es doch zum Pflichtpaket, um ein gelungenes Gesamtergebnis für den Auftraggeber zu erreichen.   

Ein Webdesign-Chamäleon baut eine Kunden-Webseite so, also ob es seine eigene wäre.

Unsere Kunden können nicht wissen was im Webdesign alles möglich ist und was auch sinnvoll ist. Müssen sie auch nicht. Es ist unsere Aufgabe als Dienstleister für Homepagebau, die Ideen unserer Auftraggeber aufzunehmen und mit eigenem kreativen Input zielgerichtet anzureichern. Natürlich hängt ganz von der jeweiligen Branche ab, was sich als hilfreicher Effekt oder als sinnloser Webseiten-Füller darstellt. Entscheidend ist hierbei auch, aktiv auf Dinge hinzuweisen, die sich offensichtlich eher kontraproduktiv für die Außendarstellung des Kunden auswirken würden. Dienst nach Vorschrift ist sowieso ein absolutes No-Go! Allerdings, das letzte Wort hat immer der Auftraggeber. Schließlich soll und muss alles zu 100% er bzw. seine Firma sein. Und nochmal ehrlich... keiner kennt seine Dienstleistung und die Vorlieben und Gewohnheiten seiner Kundschaft so gut, wie der Auftraggeber selbst. So ist es nur von Vorteil, sich dieses Wissen zu nutze zu machen, um die Webseite punktgenau auszurichten. Natürlich ist das für einen Web-Macher immer irgendwie so eine Art Crash-Kurs von einem Geschäftsfeld, das man vielleicht so noch gar nicht kennt. Aber das ist es doch, was unseren Beruf auch so reizvoll macht.

Vorausgesetzt, man liebt es ein Chamäleon zu sein :-)