Online geht es hauptsächlich um kurze Zugriffszeiten auf Kerninformationen.

Wer nach dem zweiten Klick auf einer Internetseite nicht mehr weiß, wo er sich befindet, ist zurecht genervt.

Ob Webseitenbauer oder nicht - wir alle sind als User unterwegs und haben eines beim Surfen nicht: GEDULD!

Wozu auch? Die Onlinewelt wurde doch installiert, um weltweit Informationen auf die Schnelle abzurufen, auszutauschen und darzustellen. Egal ob man ein Lokal in der Nähe sucht, Rechtschreib- oder Handwerkertipps benötigt oder sich bei einer Firma bewerben möchte, man holt sich Input aus dem Internet. Durch die Tatsache, dass "Onkel Online" komplett in unser Leben integriert wurde, sind wir mittlerweile auch nebenbei als Großwebjäger ausbildet worden. Unsere Beute: Informationen! Wir sind darauf trainiert, die wichtigsten Eindrücke und Inhalte auf kurzem Wege zu erfassen. Ist das nicht möglich, trifft den langatmigen Anbieter die ganze Härte unseres virtuellen Zorns. Wir klicken die Seite weg und springen zum nächsten Infoanbieter. Zum Glück gibt es ja genügend davon...

Ähnlich wie die Jury einer Casting-Show klicken wir die Kanditaten zurück in die Unsichtbarkeit mit den Worten: NEXT...NEXT...NEXT. Und das im wenigen Sekundentakt.

Das hat mit Unhöflichkeit oder Manieren erstmal nichts zu tun. Wobei diese "Ich-will-alles-und-das-sofort"-Einstellung zugegebener Weise manchmal übergriffig wird ;-)

Was bedeutet das für eine Firma, die hinter einer NEXT-Webseite steht?

Als Online-Konsument ist man extrem durch sein Unterbewußtsein gesteuert. Wenn ich also z. B. auf einer Unternehmenswebseite bin und tatsächlich nach dem zweiten/dritten Klick die Orientierung verloren habe, passiert Folgendes: Ich verbinde dieses ärgerliche Missgeschick automatisch mit der dafür stehenden Firma. Heißt, dass diese als genauso undurchsichtig und unstrukturiert abgeurteilt wird. Ich sag nur: Höchststrafe!

ALLES auf einer Webseite fällt auf den Anbieter zurück. Positiv wie negativ assoziiert der User gandenlos das komplette Programm mit dem Inhaber der Homepage!

Es wird niemals eine Internetseite geben, die jeden anspricht. Muss auch nicht sein, schließlich ist genug Platz für alle Anbieter und Mitbewerber. Ach ja, die Geschmäcker sind bekanntlich auch noch verschieden. Diverse Zielgruppen, Branchen und Thematiken geben schon von Haus aus eine bestimmte Ausrichtung vor. Sei es nun im Layout, der Textart, Sprache oder dem Stil wie Inhalte transportiert werden. Aber eine bedienfreundliche Navigation und ein sauberer Gesamtauftritt ist einfach Voraussetzung, um wenigstens grundsätzliche Akzeptanz beim User zu wecken. Denn, dem Internetpublikum fällt tatsächlich besonders auf, wenn etwas nervig oder verwirrend ist. Wenn es alles passt ist das selbstverändlich!

Aktzeptable Gründe fürs Wegklicken: Das Angebot entspricht inhaltlich nicht der Suche, spricht stylemäßig eine andere Zielgruppe an.

Inaktzeptable Gründe fürs Wegklicken: Lange Ladezeiten, Chaotische Navigationsstruktur, Überladene Inhalte, komplizierte Texte, wilde Blink-Hup-und Farb-Orgien, Strukturlose Zusammenstellung der Inhaltsseiten. Unter-Unter-Unterseiten, die nur durch Links im Textbereich erreichbar sind. Und mein persönlicher Favorit. "1000" verschiedene Schriftgrößen, am besten aus Word einfach rüberkopiert und in Rot und Blau schön bunt angemarkert.

Wenigstens ein paar grundlegende Dinge, die man auch beim Eigenbau einer Webseite berücksichtigen könnte:

Der geneigte Webseitenbesucher...
...braucht volle Kontrolle über den Inhalt
...liebt intuitives Navigieren
...möchte auf den ersten Blick erkennen: Wo, Wer und Was
...hat Lust auf "echte" Inhalte, nicht auf Blabla-Fake
...reagiert auf Nonverbale Botschaften (die sich durch Aufbau, Layout und Inhalt ergeben)
...ist ein Abkömmling von Speedy Gonzales - Geschwindigkeit ist (fast) alles ;-)
...honoriert, wie ein Vulkanier, selbsterklärende Logik
...will maximalen Surf-Ertrag auf der Webseite für die investierte Zeit
...würde gerne vertrauen, tut dies aber erstmal nicht.

War hier jetzt irgendetwas dabei, was wir noch nicht wussten? Bestimmt nicht! Das alles sind Faktoren, die jedem von uns aus dem Online-Herzen sprechen, oder?! Im Prinzip hat keiner mehr Erfahrung mit Webseiten und deren Mehrwert als die User-Gemeinde selbst, also wir alle. Wir wissen genau, was uns gefällt und was uns anspricht. 

Wer also von seinem eigenen Surf-Verhalten ausgeht, hat schon mal eine gute Startposition.

Und wieder ist es wie bei Menschen selbst. Zeitgenossen, die man nicht einschätzen kann, undurchsichtig und unstrukturiert wirken, machen es einem schwer, mit diesen zu interagieren.

Und Webseiten sind im Endeffekt nichts anderes als Spiegel- und Standbilder von Menschen und ihrem Tun ;-)